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Martinas Geschichte

Seit wann sind Sie im Übergangshaus?
Martina: Seit November, Dezember [seit ca. 7 Monaten]. Ich bin mir nicht ganz sicher.

Wie war Ihre Situation vor Ihrer Ankunft im Übergangshaus?
Martina: Ich wohnte bei meiner Mutter. Aber das klappte überhaupt nicht, weil meine Mutter zwei Freunde hatte. Dann verliess sie den einen und lebte beim anderen. Und ich wohnte mit ihnen, aber das funktionierte nicht, weshalb ich zu meinem Freund gezogen bin. Dort ging es auch überhaupt nicht, also mussten wir einen anderen Weg finden.

Weshalb haben Sie sich entschieden hierherzukommen?
Martina: Weil ich keinen Ort zum Wohnen hatte.

Wo haben Sie erfahren, dass es DOM gibt?
Martina: Auf dem Sozialamt.

Welche Veränderungen erfolgten nach Ihrer Ankunft im Übergangshaus?
Martina: Ich hatte natürlich neu einen Ort zum Wohnen und ging zur Schule. Meine Eltern begannen sich um mich zu kümmern. Meine Mutter bezahlte hier Miete usw. Und dann habe ich mir überlegt, ob ich in der Schule bleibe oder nicht. In der Schule blieb ich nicht und ich ging arbeiten. Gegenwärtig arbeite ich und gerade hat mir eine Freundin angeboten bei ihr zu wohnen.

Was haben Sie begonnen, anders zu machen, seit Sie hier angekommen sind? Was war für Sie hier neu?
Martina: Ich habe begonnen zu arbeiten und Geld zu verdienen. Ich wurde selbständig.

Wie hat sich Ihr Leben seit Ihrer Ankunft bei DOM verändert?
Martina: Ich habe ganz aufgehört, mit meiner Familie zu sprechen. Meine Mutter und ich rufen uns manchmal an, aber mit meinem Vater spreche ich überhaupt nicht, weil ich mit ihm grosse Probleme hatte. Manchmal ruft mich meine Grossmutter an und das ist die einzige Kommunikation. Mein Leben hat sich für mich dadurch geändert, dass ich überhaupt hier bin, dass ich auf eigenen Beinen stehe, alles selbst schaffe. Ich bin zufrieden. Niemand ärgert mich. Wenn ich hierherkomme und vor den Türen von DOM stehe, dann schalte ich total ab und weiss, dass ich hier so sein kann wie ich bin und nichts vorspielen muss und niemanden um etwas bitten muss, weil ich mein eigenes Geld habe, mein eigenes Leben und selbst meinen Weg gehe. Wie soll ich das sagen? Selbständigkeit ist einfach besser als jemanden um etwas zu bitten, besonders wenn man das Geld dafür selbst verdienen kann.

Hat ihr Leben bei DOM noch etwas Anderes beeinflusst? Zum Beispiel die Gesundheit oder ihre Freundschaften?
Martina: Ich bin sehr vorsichtig, wem ich was sage. Aber meine Familie wusste natürlich zuerst davon. Es war schon schwieriger meinen Freunden zu sagen, dass ich hier wohne, weil sich manche Leute sagen: Um Himmels willen! Können sich deine Eltern nicht um dich kümmern? Du bist aber eine Arme, wohnst irgendwo in einem Obdachlosenasyl. – Aber das hier ist kein Obdachlosenasyl. Ihnen das zu erklären ist furchtbar schwierig, weshalb ich sehr aufpasse, wem ich was sage. Es wissen schon ein paar Personen, dass ich hier wohne. Wenn ich ihnen erkläre, wie es hier ist, dann finden sie das in Ordnung, aber manche Menschen bewerten es sehr negativ.

Welche Veränderung war für Sie nach ihrer Ankunft bei DOM die grösste, bedeutendste oder wichtigste?
Martina: Nach meiner Ankunft hier was das Alleinleben eine grosse Veränderung. Ich hatte hier niemanden und musste darüber nachdenken, wie es weitergehen soll. Ich musste mich aufraffen und mir sagen, dass ich zur Arbeit gehen werde, Geld verdienen werde und meine eigenen Sachen haben werde. Die grösste Frage war: Schule oder Arbeit? Bleibe ich in der Schule und werde ich weiterhin irgendjemanden um Geld bitten oder stelle ich mich auf meine eigenen Füsse?

Wie hat DOM zu dieser Veränderung beigetragen?
Martina: Iveta, die hier die ganze Zeit meine Therapeutin ist, hat mir viel geholfen. Auf der einen Seite musste sie mir Dampf machen und auf der anderen Seite musste sie mich sein lassen, damit ich selbst darauf kommen konnte. Also darauf, dass ich selbst zu ihr gegangen bin und gesagt habe, dass ich von der Schule weggehen muss.

Vielen Dank für das Interview.


Wir messen die Wirkung unserer Aktivitäten.
Projekt Geschichten von DOM.

DOM widmet sich schon seit vielen Jahren benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für die allgemeine Öffentlichkeit unsichtbar sind. Dabei handelt es sich um Menschen, die “allein unter Menschen” sind. Ihre oft sehr ernsten Schwierigkeiten sind für andere nicht nachvollziehbar. In unserer anspruchsvollen Gesellschaft schaffen sie es nicht, sich einzuklinken, geschweige denn sich zu behaupten.
Auf Basis langjähriger Erfahrung, moderner, professioneller Quellen und ausgefeilten Arbeitsmethoden “retten” die Sachverständigen von DOM das Leben von Menschen, deren Perspektive bereits zu Beginn ihres Erwachsenenlebens beinahe hoffnungslos ist.

Das Projekt GESCHICHTEN VON DOM ist vom Gedanken inspiriert, dass die Geschichte jedes Klienten die Geschichte einer Reise ist, die aus einer sehr ungünstigen Situation zu persönlicher Entwicklung und positiver Veränderung führt. Gerade der Wandel und dessen Erkennung sind das zentrale Thema dieses Projekts.

Um die Wirkung unserer Aktivitäten zu messen, haben wir uns für die Methode MSC (Most Significant Change) entschieden. Über MSC erfahren Sie mehr hier:
www.mande.co.uk/docs/MSCGuide.htm