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Markétas Geschichte

Erinnern Sie sich, wann Sie ins Übergangshaus gekommen sind?
Markéta: Im Februar.

Also sind Sie schon vier Monate hier.
Markéta: Nein, schon das zweite Jahr. Also eigentlich eineinhalb Jahre, seit Februar 2018.

Von woher sind sie ins Übergangshaus gekommen?
Markéta: Ich lebte eine Weile bei der Familie meines Freundes.

Und wie war Ihre Situation vor der Ankunft im Übergangshaus? Was war schwierig?
Markéta: Vor meiner Zeit bei DOM war ich in einer schwierigen Situation. Ich habe mit meiner Mutter in einer Herberge gelebt. Nach einiger Zeit bekam sie ein Stellenangebot für eine Geschäftsreise nach Afrika. Weil wir nicht genug Geld hatten, entschied sie sich, das Angebot anzunehmen. Nachdem meine Mutter abgereist ist, hat mich der Besitzer wegen unbezahlter Miete rausgeworfen. Ich musste so schnell wie möglich etwas finden, weil ich sonst auf der Strasse hätte leben müssen. Schliesslich durfte ich bei meinem Freund und seiner Familie wohnen, weil ich niemanden aus der eigenen Familie hatte, zu dem ich hätte gehen können. Nach einer Weile hat das Zusammenleben mit meinem Freund nicht mehr geklappt. Ich musste also erneut nach einer alternativen Wohnmöglichkeit suchen. Und so habe ich von einer Sozialarbeiterin erfahren, dass es DOM gibt. Ich habe mein Glück versucht, angerufen, und seither wohne ich hier.

Was waren Ihre Erwartungen ans Übergangshaus?
Markéta: Ich hatte erwartet, dass es mir irgendwie dabei helfen wird, auf meinen eigenen Füssen zu stehen, so dass ich irgendwie mein Leben leben kann. Ich hatte erwartet, als ich hier ankam, dass ich alles selbst würde organisieren müssen. Mir wäre überhaupt nie eingefallen, dass sich jemand um mich kümmern würde, mir raten würde, wie ich mit verschiedenen Problemen umgehen soll, oder dass ich zu Beratungen gehen würde, in denen mir die Sozialarbeiterin dabei helfen würde, mich mit allem, was war und was am Laufen ist, auseinanderzusetzen.

Wie hat sich Ihr Leben durch Ihren Aufenthalt im Übergangshaus verändert?
Markéta: Ich habe schnell meine Schulden bezahlt, so dass ich jetzt im Grunde alles machen kann. Ich habe Arbeit gefunden und habe Geld. Ich habe einfach dazugelernt… Zuvor war ich fürchterlich nervös, und ich hatte eine schreckliche Wut in mir. Hier zu sein, hat mir geholfen.

Können Sie sagen, was am Leben hier anders oder neu war, im Vergleich mit der Zeit davor?
Markéta: Vorher habe ich mir meine eigenen Regeln gemacht. Ich habe einfach nicht zugehört und gemacht, was ich wollte. Und hier waren auf einmal Regeln, Beratungsgespräche und eine Gemeinschaft. Ich konnte es nicht ertragen. Ich hatte einfach ein grosses Problem damit zu gehorchen.

Und wie hat sich das entwickelt?
Markéta: Nach rund einem Monat oder zwei hatte ich mich daran gewöhnt, und schon ging es.

Wie hat sich Ihr Lebensgefühl während Ihrer Zeit im Übergangshaus verändert?
Markéta: Mittlerweile empfinde ich eine Lust zu leben. Das Leben ist nicht mehr so hektisch. Vorher musste ich immer wieder umziehen. Jetzt bin ich an einem Ort, habe meine Ruhe und weiss, wie es weitergehen wird. Ich muss mir nicht mehr so viele Sorgen machen.

Das klingt gut. Vielleicht könnten Sie noch etwas detaillierter Stellung nehmen. Was hat sich im Bereich Arbeit/Ausbildung verändert? Sie sagten, sie hätten eine Anstellung gefunden.
Markéta: Ich hatte kurzfristige Anstellungen, und als ich einen Ort zum Wohnen hatte, wurde mir eine Festanstellung angeboten. Das war schon eine Verbesserung. Ich hatte mehr Geld, eine Daueranstellung und somit finanzielle Sicherheit.

Wie haben sich Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen verändert?
Markéta: Dank DOM wurde ich selbstbewusster, und deshalb entschied ich mich meinen Bruder zu treffen, um ihn nach ein paar Jahren wieder einmal zu sehen. Auch war ich früher sehr introvertiert. Aber hier bei DOM hat sich das verändert, wenn auch nicht ganz. Etwas von der Introvertiertheit ist mir geblieben. Aber wenn man hier Leute findet, die einem sympathisch sind, ist es auf einmal anders. Plötzlich wollte ich nicht mehr von vier Wänden umschlossen sein, sondern unter die Menschen gehen, die hier bei DOM eine Gemeinschaft bilden.

Haben Sie neue Freunde gefunden oder gesucht?
Markéta: Das nicht gerade. Eher Leute mit denen ich einfach nur reden kann, wenn ich in der Stimmung bin, mit jemandem Zeit zu verbringen.

Welche Veränderung war für Sie nach Ihrer Ankunft im Übergangshaus die grösste oder wichtigste?
Markéta: Die wichtigste? Dass ich alle meine Schulden bezahlt habe, war für mich das wichtigste, denn ich wollte keine Zwangsvollstreckung. Nach einer Zwangsvollstreckung hätte ich keine Chance darauf, einmal eine Wohnung zu haben, wie ich sie mir wünsche, oder ich könnte mir Dinge, die ich möchte, nicht leisten. Ich möchte in den Urlaub fahren, irgendwohin. Nach einer Zwangsvollstreckung könnte ich nichts davon. Die Schulden würden steigen, ich würde arbeiten gehen, aber fast alles Geld würde mir wieder weggenommen.

Aber jetzt können Sie leben.
Markéta: Ja, jetzt kann ich leben.

Und wie hat DOM zu dieser Veränderung beigetragen?
Markéta: Sie haben mich immer wieder zu überzeugen versucht, dass ich alles regle. Ich war halt so eine, die darauf gepfiffen hat. So im Stile von: “Ja, ich habe Schulden. Na und? Meine Eltern haben auch Schulden und können damit leben.” Aber meine Therapeutin hier hat mich immer wieder daran erinnert und dazu gedrängt. Also habe ich meine Schulden bezahlt und alles erledigt.

Möchten Sie noch etwas ergänzen?
Markéta: Für mich ist DOM, die Sozialarbeiter und die anderen Klienten, so etwas wie eine Familie. Alle sind hier lieb und nett. Wenn man hier ankommt, ist das meistens mit dem Gefühl, dass man nirgendwo hingehen kann, und grundsätzlich mit Widerwillen. Aber sobald man einmal hier ist und feststellt, wie das hier funktioniert und wie sich die Leute verhalten, dann möchte man nicht mehr weggehen, wenn die Zeit zu gehen kommt. Wer schon das Glück hat, zu DOM zu kommen, kann darauf vertrauen, dass dieses Übergangshaus einem viel geben wird, worüber man froh sein wird.

Vielen Dank für das Interview.


Wir messen die Wirkung unserer Aktivitäten.
Projekt Geschichten von DOM.

DOM widmet sich schon seit vielen Jahren benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die für die allgemeine Öffentlichkeit unsichtbar sind. Dabei handelt es sich um Menschen, die “allein unter Menschen” sind. Ihre oft sehr ernsten Schwierigkeiten sind für andere nicht nachvollziehbar. In unserer anspruchsvollen Gesellschaft schaffen sie es nicht, sich einzuklinken, geschweige denn sich zu behaupten.
Auf Basis langjähriger Erfahrung, moderner, professioneller Quellen und ausgefeilten Arbeitsmethoden “retten” die Sachverständigen von DOM das Leben von Menschen, deren Perspektive bereits zu Beginn ihres Erwachsenenlebens beinahe hoffnungslos ist.

Das Projekt GESCHICHTEN VON DOM ist vom Gedanken inspiriert, dass die Geschichte jedes Klienten die Geschichte einer Reise ist, die aus einer sehr ungünstigen Situation zu persönlicher Entwicklung und positiver Veränderung führt. Gerade der Wandel und dessen Erkennung sind das zentrale Thema dieses Projekts.

Um die Wirkung unserer Aktivitäten zu messen, haben wir uns für die Methode MSC (Most Significant Change) entschieden. Über MSC erfahren Sie mehr hier:
The ‘Most Significant Change’ (MSC) Technique
A Guide to Its Use by Rick Davies and Jess Dart